Wenn man sich mit textiler Handwerkskunst beschäftigt, kommt man an Peru (fast) nicht vorbei. Die bereits lange Tradition hat mich diese Woche beeindruckt; die Textilkunst ist unglaublich vielfältig. Aber lest selber!
Quellenangaben findet ihr wie gehabt am Schluss vom Text. Solltet ihr Ergänzungen oder Korrekturen haben, könnt ihr mir dies gerne über das Kommentarfeld oder über das Kontaktformular mitteilen. Und nun ab nach Vietnam!
Einleitung
Die textile Handarbeitskunst in Peru hat sich über Jahrtausende hinweg entwickelt und ist ein faszinierendes Zeugnis der kulturellen Identität des Landes. Die Tradition reicht bis zu den präkolumbianischen Kulturen wie Paracas und Nazca zurück. Textilien wurden als Ausdruck von Status, Religion und Identität genutzt.
Geschichte
Die Ursprünge der peruanischen Textilkunst liegen in den frühesten andinen Zivilisationen, wie Caral, Chavín und Paracas. Diese Kulturen entwickelten ausgefeilte Techniken zum Spinnen, Weben und Färben von Naturfasern wie Baumwolle und Wolle von Tieren wie Lamas und Alpakas. Geometrische Designs und Muster waren weit verbreitet und spiegelten Elemente der Natur und mythische Figuren wider.
Mit der Ankunft der Inkas erreichte die Textilkunst einen nie dagewesenen Grad an Raffinesse. Die Inkas schufen ein riesiges Reich, das verschiedene Kulturen miteinander verband und die Entwicklung von Wissen und Textilstilen ermöglichte. Die Verwendung von leuchtenden Farben und fortschrittlichen Techniken wie Brokat und Wandteppich wurden in dieser Zeit immer bekannter.
Nach der spanischen Eroberung erlebte die peruanische Textilkunst einen bedeutenden Wandel. Es wurden neue Materialien und Techniken aus Europa und dem Ausland eingeführt. Die Andengemeinden hielten jedoch viele ihrer Traditionen erfolgreich am Leben und vermischten koloniale Einflüsse mit ihren einheimischen Praktiken. Diese Verschmelzung von Stilen und Wissen entwickelt sich bis heute weiter und macht die peruanischen Textilien zu einem Symbol für kulturellen Widerstand und Widerstandsfähigkeit.
In Altperu waren es hauptsächlich Frauen, die die die Techniken des Spinnens, Färbens, Webens und Stickens beherrschten.
Heute ist die Textilkunst eine Mischung aus traditionellen und modernen Einflüssen. Sie spielt eine wichtige Rolle in der Wirtschaft und im Tourismus Perus, insbesondere in den Regionen Puno, Cusco und Chinchero. Der Textiltourismus kommt auch den örtlichen Gemeinden zugute, da er wirtschaftliche Möglichkeiten bietet und gleichzeitig die Bewahrung überlieferter Traditionen fördert. Ausserdem hat das Interesse an peruanischen Textilien zu einer grösseren Anerkennung der Fähigkeiten und der Kreativität der Kunsthandwerker in den Anden geführt und den Kulturtourismus in der Region gefördert.
Bedeutung
Peruanische Textilien sind nicht nur kunstvolle Handwerkskunst, sondern haben auch eine tiefe kulturelle Bedeutung. Sie dienen als Ausdruck von Traditionen, Geschichten und Symbolen. Der Wert, den Stoffe in präkolumbischen Gesellschaften inne hatten, lässt sich mit dem Wert von Gold und Silber vergleichen. Sie erfüllten nicht nur Bekleidungszwecke, sondern waren Mittel zur Verbreitung religiöser Ideen und zur Überbringung von Botschaften ins Jenseits, da sie genutzt wurden, um Tote einzuhüllen. Außerdem waren sie exquisite Geschenke der Herrschenden und dienten der Unterscheidung sozialer Schichten.
Die Textilien werden auch für Zeremonien, rituelle Zwecke und als Kleidung (wie beispielsweise die bekannten Ponchos) verwendet. Sie sind ein stolzer Ausdruck der peruanischen Kultur und verbinden Menschen mit ihrer Geschichte und Identität.
Materialien
Heutzutage tragen viele internationale Bekleidungsmarken auf ihrem Etikett Informationen über den Hauptbestandteil der Erzeugnisse: „peruanische Baumwolle”, welche für ihre Qualität weltbekannt ist. Baumwolle wurde vor circa 4.500 Jahren in der Andenregion domestiziert. Seitdem war es eine der Hauptfasern zum Spinnen und Weben, um Netze, Taschen, Begräbnistücher und feine Bekleidungsstücke herzustellen.
Neben der Baumwolle wurden auch Fasern aus Alpaka- oder Vikunja-Wolle versponnen. Das Fell dieser Tiere ist sehr fein, schützt besonders gegen Kälte und ist wasserundurchlässig. Kleidungsstücke aus diesen Materialien sind heute ebenso in der ganzen Welt begehrt.
Die berühmtesten Textilien stammen aus dem Süden Perus, da sie dank der Trockenheit der südlichen Küstenwüsten erhalten blieben. Die Stoffe des peruanischen Nordens besassen ebenfalls eine hohe Qualität, konnten jedoch die Feuchtigkeit der sintflutartigen Regenfälle auf Grund des El Niño-Phänomens in dieser Region nicht überstehen.
Ein weiterer wichtiger Einfluss auf moderne peruanische Textilien ist die Verwendung natürlicher Farbstoffe. Historisch gesehen verwendeten peruanische Weber Pflanzen, Mineralien und Insekten, um ihre Garne und Stoffe zu färben. Diese natürlichen Farbstoffe verleihen den Textilien eine tiefe, satte Farbe, die auch nach vielen Jahren noch schön bleibt. Heute finden wir diese Techniken der natürlichen Färbung auch in einigen modernen Textilien, da sie umweltfreundlich sind und den Stoffen eine einzigartige visuelle Qualität verleihen.
Techniken
Nebst dem Färben und Spinnen der oben beschriebenen Materialen ist die Weberei eine der bekanntesten Techniken, die in peruanischen Textilien Verwendung finden. Dazu nutzen Weber traditionelle Webstühle, wie den Rückenriemenwebstuhl, der es ermöglicht, komplexe Muster zu erstellen. Sie beherrschen eine Vielzahl von Mustern und Farbkombinationen, die ihre Textilien einzigartig machen. Diese Webereitechniken werden von Generation zu Generation weitergegeben und sind eng mit der peruanischen Kultur verwoben.
Eine weitere wichtige Technik ist die Stickerei. Peruanische Kunsthandwerker verwenden Stickerei, um ihre Textilien mit kunstvollen Motiven zu versehen. Diese Motive können alles von abstrakten geometrischen Mustern bis hin zu Darstellungen von Pflanzen, Tieren und mythologischen Figuren umfassen. Die Stickerei ist oft mit Symbolen und Bedeutungen aus der peruanischen Folklore verbunden.
Von der Weberei bis zur Stickerei und der Verwendung von Naturfarbstoffen, all diese Elemente tragen zu einzigartigen Textilien bei, die die Geschichte und die Identität Perus widerspiegeln. Der Erhalt und die Wertschätzung dieser Kunstform sind von großer Bedeutung, um die kulturelle Vielfalt Perus zu bewahren und die Fertigkeiten der Kunsthandwerker zu unterstützen.
Quellen:
Peruanische Textilien: Techniken und Traditionen • Das Wissen
Peruvian Textile Art – An Ancient Tradition – Machu Picchu Viajes Perú
Lateinamerika: Die Kunst des peruanischen Handwerks » latinapress Nachrichten
Ein Blick hinter die Kulissen der peruanischen Textilweberei – Pie Experiences
Textilien Altperus – Museo Larco




